Vorwort zum Kunstsalon 2026
Es stellt eine große menschliche Eigenschaft dar, selbst in schier ausweglosen Situationen den unerschütterlichen Glauben an den positiven Ausgang einer verfahrenen Lage zu bewahren.
Wir befinden uns seit nun sechs Jahren in dem Dilemma, die hehre Aufgabe ehrenamtlich kulturell künstlerische Basisarbeit zu Gunsten der Allgemeinheit leisten zu wollen, gleichzeitig jedoch von der verwaltenden Administration derselben – wohlgemerkt ohne wirkliche Begründung oder Not – nach Strich und Faden ausgebremst und behindert zu werden.
Mit viel Engagement und geringen pekuniären Mitteln, aber mit der Vision, dass es in der Welt des 21. Jahrhunderts nach wie vor immaterielle Werte gibt, die bedeutender als Politik, ethnische Herkunft oder Sprache sind, versuchen wir unverdrossen seit fast 70 Jahren unseren Teil zu dieser Art der Sensibilisierung beizutragen.
Es dürfte unwidersprochen sein, dass frühere Gesellschaften oder Kulturen allein durch ihr künstlerisches Erbe existent und sichtbar bleiben. Die Felszeichnungen und Höhlenmalereien der Steinzeit, die architektonischen Meisterleistungen vieler früher Kulturen beweisen, dass die künstlerische Darstellung lange vor Erfindung von Schrift und Gesellschaftsmodellen das Erbe der Menschheit begründen.
Kunst in jeglicher Form bereichert das Leben, unterscheidet Bewusstes von Unbewusstem. Es ist unser Anliegen, einer sichtbar oberflächlichen und abgestumpft reagierenden Menschheit einen Ort kontemplativer Entspannung und Freude zu bieten. Wir wollen die Sinne anregen und dem tristen Alltag etwas Wertvolles entgegensetzen. Zudem ist es die Aufgabe der Kunst, das Zeitgeschehen zu kommentieren, Strömungen bildhaft zu machen, ja vielleicht aufzurütteln und zu warnen.
Wir sind zutiefst beunruhigt, dass nicht nur unsere vergleichsweise unbedeutende Situation in einer funktionierenden Demokratie missachtet und ignoriert wird, sondern auch dass die Lage der gesamten Hemisphäre zusehend außer Kontrolle gerät und dem archaischen Prinzip des Stärkeren geopfert wird.
In der Entwicklungsgeschichte gibt es ein Phänomen, das, „Phasensprung“ genannt, auf die periodische Wiederholung des Zeitgeschehens hinweist und sich in der Auflösung bisheriger anerkannter Werte, dem Verlust von Identität und Tabus und in der Verrohung gesellschaftlicher Traditionen und Gesetze darstellt. So wie sich unsere Welt derzeit präsentiert, scheint der Prozess der Auflösung nicht nur kurz bevor zu stehen, sondern bereits beschleunigt in Gang gesetzt zu sein. Das Positive daran ist, dass es stets zu einer Erneuerung kommt, allerdings dauert dies seine Zeit.
Wir fragen uns permanent, ob dies Alles für uns eine bessere oder womöglich keine Zukunft bietet. Es sollte jedoch jedem Einzelnen bewusst sein, dass der Verlust von Kunst und Kultur einen unwiederbringlichen Mangel an Lebens-Freude und Lebensqualität nach sich zieht.
Wie wir jährlich aufs Neue erfahren dürfen, gibt es nicht nur Bedarf bei vielen Kunstschaffenden, sondern auch wachsendes Interesse an der Betrachtung von Gegenwartskunst, was sich in der kontinuierlichen Steigerung sowohl der Einsendungen, als auch der Besucherzahlen manifestiert.
Wir danken daher allen Beteiligten, insbesondere dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, der Martin-Gröbner-Stiftung und weiteren Sponsoren und Förderern für ihre Unterstützung.
Ninon Voglsamer

