Vorwort zum Kunstsalon 22

SINE LOCO – Kein Platz für (lebende) Bildende Kunst

Sine Loco – kein Ort, kein Platz, kein Freiraum.
Nach zwei coronabedingten und somit kurzfristigen Absagen von KUNSTSALON-Ausstellungen der Jahre 2020/21 hatten wir 2022 noch nicht einmal die Option einer Präsenzausstellung.
Warum?

Anscheinend sind weder der Freistaat noch die zuständige Kommune willens, sich über den Fortbestand lebender Bildender Kunst und deren Protagonisten in Bayern Gedanken zu machen. Zu gering die Lobby in einer Gesellschaft wachsender Kulturlosigkeit und konsumverliebter Oberflächlichkeit, zu wenige Wähler/Steuerzahler – es sind ja „nur“ etwa 20.000 professionelle Künstler*innen in Bayern registriert.
Dazu eine systematische Überbürokratisierung im Verwaltungsbereich öffentlicher Liegenschaften, verteilt auf mehrere Ministerien/Dienststellen und einfachheitshalber zur Gänze in die Hände leitender Direktoren übereignet, die zwar staatlich angestellt, aber ansonsten komplett unabhängig sind.

Von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts waren München und Bayern der künstlerische und kulturelle Mittelpunkt Europas. Mäzene aller Couleur überboten sich in ihrer Bereitschaft, die Künste zu fördern. Die gesellschaftlichen Veränderungen ermöglichten die freie und liberale künstlerische Selbstdarstellung und Entwicklung der Szene – nostalgischer Ruhm, von dem Bayern bis heute zehrt.

Uneigennützige Mäzene und Förderer gibt es nicht mehr. Alles unterliegt dem Kosten-Nutzen-Prinzip, womit es nur konsequent ist, den Staat – als Vertreter des allgemeinen Volksinteresses – in die Verantwortung zu nehmen. Zumal der Staat ja allein hierzulande zwei Akademien, sowie mehrere universitäre Ausbildungsstätten für künstlerische Berufe betreibt.
Da wäre es an sich logisch, von Amts wegen proportional Freiflächen der unabhängigen Kunstszene zur Verfügung zu stellen, respektive Brachzeiten in der Bespielung geeigneter Häuser an seriöse und erfahrene Veranstaltergruppen zu delegieren. Zumal diese Form der Kulturarbeit, dank der großen ehrenamtlichen Energie erfahrener Künstlerorganisationen, mit minimalen Kosten für den Staat verbunden ist.

Leider weit gefehlt, das Prinzip „leben und leben lassen“ gilt heute nichts mehr. Die wenigen noch vorhandenen „Biotop“-Freiräume werden der Einfachheit halber an Dachorganisationen verramscht, deren Kernkompetenz nicht in der Organisation und Durchführung von freien, nicht musealen „nonprofit“-Ausstellungen liegt.
Es ist höchste Zeit zum Umdenken, denn weder eine bequeme Bürokratie noch der Markt können gewährleisten, was seit der Nachkriegszeit die kulturelle Bildung und Weiterentwicklung der Künste in der modernen Gesellschaft bewerkstelligen. Es ist also eine Frage urdemokratischer Prinzipien sowie der freiheitlichen Grundstruktur unseres Landes, dafür Sorge zu tragen, diesen Aspekt kultureller Tradition zu erhalten.

Wir sind zuversichtlich, dass es Möglichkeiten und Wege geben kann und muss, die Existenz lebender Bildender Künste in Form unabhängiger, künstlerselbstverwalteter Präsentationen zu bewahren, da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, besser jedoch überleben sollte.

Wir haben deshalb 2022 entschieden, dass es besser ist, nur eine virtuelle statt keiner Ausstellung anzubieten, obwohl die Problematik auf der Hand liegt, denn Kunst muss haptisch sein und bleiben. Das unverändert große Interesse Kunstschaffender aus Region, Bund und Ausland zeigt uns den dringlichen Bedarf an solchen Veranstaltungen auf. Unsere Präsentation SINE LOCO geht zudem einen noch uneigennützigeren Weg, indem wir den Rahmen schaffen, unsere Ausstellern*innen, befreit von zusätzlichen Kosten und Abgaben, selbstverantwortlich für die öffentlichkeitswirksame Verbreitung der Schau Sorge tragen zu lassen.

Trotz allem hoffen wir, spätestens 2023 wieder mit einer herkömmlichen, klassischen Präsenzausstellung und unserem Internetportal KUNSTSALON weiterarbeiten zu können.

Unser Dank gilt dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, der Martin-Gröbner-Stiftung, unseren privaten Sponsoren, den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern und unseren ehrenamtlichen Helfern und Mitarbeitern, ohne deren Engagement es die Ausstellung nicht gäbe.

Ninon Voglsamer
(Vorsitzende FMDK e.V.)

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